Schach den Bots – Lebhafte DPRG-Debatte kurz vor der Wahl

GPRA-Chairman kündigt Online-Richtlinie an / Stratege Scherg berichtet über Bot-Angriff gegen „Du hast die Wahl“

Der Großangriff der Bots im jüngsten Bundestagswahlkampf blieb aus. Das ist die beruhigende Nachricht. Und doch bemühen sich offenbar Betreiber von Social Bots und Fake-News-Portalen, Protestpotenziale zu mobilisieren mit dem Ziel, Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Das ist die beunruhigende Nachricht. Und zugleich ist sie ein Appell an alle, die sich mit Thema Kommunikation befassen. Dieser heißt: Wir müssen wachsam sein. Wir müssen mehr und aktiv dazu beitragen, wie Meinungsbildung hierzulande stattfindet. Einige nützliche Impulse hierfür gingen von der Podiumsdebatte „Schach den Bots“ aus, zu der die DPRG-Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland am wenige Tage vor der Wahl in Frankfurt am Main eingeladen hatte. Initiator und Organisator der Veranstaltung war Matthias Dezes, Dezes Public Relations. Die Räume hatte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) bereitgestellt. Das Podium war pointiert, berichtete und analysierte aus erster Hand, und auch das Publikum beteiligte sich rege.

Das DPRG Journal berichtete kurz danach: http://bit.ly/schachdenbots

Und hier einige Schlaglichter aus der Debatte:

Lukas Linke, Cybersecurity Manager beim Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI), warnte vor dem Ansehensverlust, den Firmen und Personen erleiden können, wenn sie über Fake News und Instrumente der Cyberkriminalität angegriffen und verunglimpft werden – und nannte Handlungsoptionen: „Das Problem mit Technik allein nicht lösbar – wir vom ZVEI setzen auf den offenen Austausch über Angriffe und Schäden durch Cyberkriminalität. Cybersicherheit erfordert die Zusammenarbeit aller Instanzen.“, sagte Linke.

Cybersicherheit erfordert Zusammenarbeit

Peter Meyer vom eco Verband der Internetindustrie wehrte sich zwar gegen die These, Bots gefährdeten die Demokratie. Doch konstatierte auch er die Unterminierung der Meinungsbildung durch unseriöse Anbieter von Informationen. Zugleich warnte er, ähnlich wie Linke, vor dem starren Glauben an gesetzliche Regulierung. Wer sich ausschließlich auf juristische Regelungen verlasse, werde das Thema nicht beherrschen können. Allein schon deshalb, weil das Internet keine Grenzen nach Jurisdiktionen kenne.

Wahlkampf-Forscher Simon Kruschinski von der Universität Mainz konstatierte zu Frage, on die Parteien sich angemessen auf den Cyber-Wahlkampf vorbereitet hätten: „Die Parteien haben sich mit unterschiedlichen Maßnahmen auf mögliche Angriffe gegen ihre Kommunikation in sozialen Medien vorbereitet. Grüne haben Netzfeuerwehr initiiert. Die CDU ist vorbereitet zu reagieren. Und die MEdien setzen mit großem Aufwand auf Fact-Checking.”

GPRA-Chairman Uwe Kohrs betonte, die PR-Branche habe als einzige Kommunikationsindustrie eine präzise Online-Richtlinie ausgearbeitet. Mehr Detail zu dem Regelwerk wurden auf dem Kommunikationskongress in Berlin erläutert. Es ist verbindlich sanktionsfähig und damit alles andere als ein zahnloser Tiger. Zugleich betonte Kohrs, Fake News an sich seien nichts Neues – die Gefahr liege in der sekundenschnellen und vielfachen Verbreitung: „Fake News gehören zur Kommunikation – die gab’s schon immer. Jetzt werden solche Inhalte nur extrem schnell multipliziert.“ Dies führe in Unternehmen und Agenturen zu Verunsicherung. Gerade aus diesem Grunde suchten die Menschen Medien, denen sie vertrauen: „Als Leuchttürme gelten nach wie vor Medien wie Handelsblatt oder Wirtschaftswoche.“

 

Bots in der Regel erkennbar

 

Online-Strategieberater Christian Scherg, der Unternehmen, Manager und Privatpersonen berät, schilderte einen nachweislichen Bot-Angriff auf die private Wahl-Initiative „Du hast die Wahl“. Das Beispiel zeigte, wie solche Angriffe funktionieren, und dass man ihnen am besten mit Zivilcourage und ohne Hysterie begegnen sollte. Zugleich wies er auf die letzten Endes leichte Erkennbarkeit von meinungsverzerrenden Bots hin: „Bots sind oft sehr dumm – sie sind vielfach darauf beschränkt, zu multiplizieren. Wenn man die Qualität der Interaktion prüft, kann man bereits viel erkennen.“ Hilfreich wäre darüber hinaus ein System, das erkennen lasse, wer der Absender einer Nachricht sei, meinte Scherg.

 

 

Fazit: Die Zeit des Wegsehens ist vorbei. Was immer die Urheber von Fake News und gefälschten Meinungen im Schilde führen – wir können sie von mehreren Seiten in Schach halten: durch Regelwerke – seien es rechtliche oder von unserer Branche entwickelte; durch Technologie, durch kommunikative Gegenmaßnahmen und schließlich durch die eigene Zivilcourage.

 

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